Als Migrant*innenselbstorganisation ist Yekmal e.V. eine wichtige Anlaufstelle für Familien mit Migrations- und Fluchtgeschichte in ganz Deutschland. Gegründet wurde der gemeinnützige Verein in Berlin von kurdischen Eltern, Lehrer*innen und Pädagog*innen.
Yekmal macht Antidiskriminierungsarbeit, unterstützt Familien und begleitet Kinder und Jugendliche im Alltag. Der Verein berät, forscht und betreibt bilinguale Kinder- und Jugendeinrichtungen. Im Mittelpunkt stehen immer Empowerment und die Frage: Wie gelingt echte gesellschaftliche und politische Teilhabe? Ein wichtiger Schlüssel dafür ist die mehr- und muttersprachliche Bildung. Deshalb sind ihre Angebote mehrsprachig, unter anderem auf Kurdisch, Türkisch, Arabisch oder Ukrainisch.
In Deutschland leben mehr als 25 Millionen Menschen mit Migrationsgeschichte – rund ein Drittel der Bevölkerung. Die kurdische Community gehört mit etwa 1,2 Millionen Kurdinnen und Kurden zu den größten. Trotzdem fehlen ihre Stimmen in öffentlichen Debatten oft noch immer. Organisationen wie Yekmal tragen dazu bei, migrantische Perspektiven sichtbar zu machen und einzubringen – gesellschaftlich und politisch.
Taylan ist Sozialarbeiter und arbeitet seit 2019 bei Yekmal. Heute leitet er den Bereich Kinder- und Jugendhilfe. Am 13. Mai ist er zusammen mit Kindern und Jugendlichen aus zwei Wohngruppen bei unserer Verlosung. Wir haben ihm vorab drei Fragen gestellt.
1. Yekmal e.V. wurde von kurdischen Eltern für Eltern mit Migrationsbiografie gegründet. Was erleben Familien heute, wenn sie zu euch kommen? Welche Rolle spielt dabei die Mehrsprachigkeit?
Viele der Familien, mit denen wir arbeiten, kommen aus prekären Verhältnissen, befinden sich in unsicheren wirtschaftlichen Lagen, sind vor Krieg oder politischer Verfolgung geflüchtet. Angst, Unsicherheit, Erschöpfung und Traumatisierungen sind häufige Themen, die mitgebracht werden. Viele erleben im Alltag, dass sie sich ständig erklären müssen, gegenüber Behörden, Schulen oder Kitas. Dazu kommen häufig finanzielle Belastungen, unklare Perspektiven oder Diskriminierungserfahrungen. Das ist für viele Familien eine enorme Herausforderung, weil sie ohnehin schon sehr viel leisten.
Familien haben wenig Zugänge zum gesellschaftlichen Leben. Es fehlt nicht an Motivation oder Engagement der Familien, sondern an zugänglichen Strukturen, die sie wirklich erreichen. Genau hier spielt Mehrsprachigkeit eine zentrale Rolle. Wenn Menschen in ihrer Sprache sprechen können, entsteht sofort mehr Vertrauen. Gespräche werden offener, Missverständnisse nehmen ab, und Eltern fühlen sich ernst genommen. Für uns ist die Mehrsprachigkeit eine Grundlage unserer Arbeit.
Logo von Yekmal e.V.
2. Ihr betreibt mehrere bilinguale Kindergärten und Jugendeinrichtungen. Welche Herausforderungen erlebt ihr als sozialer Träger angesichts von Kürzungen und unsicheren Förderungen – und was bedeutet das für die Kinder und Jugendlichen?
Die Unsicherheit in der Finanzierung beschäftigt uns sehr. Gemeinnützige Organisationen erleben seit Jahren, dass wichtige Projekte immer wieder unter Druck geraten, weil Förderungen gekürzt werden oder ganz wegfallen. Das erschwert nicht nur die Planung, sondern wirkt sich auch direkt auf unsere Teams und auf die Qualität der Arbeit aus.
Für uns heißt das manchmal ganz konkret: Angebote müssen eingeschränkt werden, Fachkräfte verlassen den Träger, und bewährte Strukturen geraten ins Wanken. Das ist besonders bitter, weil Beziehungen in unserer Arbeit zentral sind. Kinder und Jugendliche brauchen stabile Bezugspersonen, feste Orte und verlässliche Angebote. Wenn genau das nicht gesichert ist, trifft es gerade die jungen Menschen, die ohnehin schon mit Benachteiligung leben. Am Ende geht es nicht nur um einzelne Projekte, sondern um Teilhabe und Zukunftschancen. Wenn Unterstützung wegbrechen muss, weil Geld fehlt, dann verschärfen sich Ungleichheiten. Und das spüren Kinder und Jugendliche sehr direkt.
3. Was glaubst du, würde ein Bedingungsloses Grundeinkommen für die Menschen verändern, mit denen ihr arbeitet?
Aus meiner Perspektive könnte ein Bedingungsloses Grundeinkommen ein wichtiger Schritt sein, um materielle Ungleichheit grundlegend zu reduzieren und soziale Sicherheit unabhängig von Erwerbsarbeit zu garantieren. Für viele der von Yekmal begleiteten Menschen, insbesondere Geflüchtete und armutsbetroffene Familien, würde es existenzielle Sorgen mindern und ihnen mehr Selbstbestimmung ermöglichen. Gleichzeitig würde es Machtverhältnisse verschieben, weil Menschen nicht mehr gezwungen wären, jede prekäre oder schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen.
Ein Grundeinkommen darf jedoch nicht als Ersatz für soziale Infrastruktur verstanden werden. Es kann eine wichtige Basis sein, aber es ersetzt keine gute Kita, keine Beratung, keine Jugendhilfe und keine niedrigschwelligen Anlaufstellen. Gerade Menschen, die ohnehin mehrfach benachteiligt sind, brauchen beides: finanzielle Sicherheit und verlässliche Unterstützung im Alltag.
Deine Chance auf ein Grundeinkommen
Willst du auch mal bei unserer Verlosung gewinnen? Jeden Monat aufs Neue drehen wir am Rad: Sei dabei und erfahre selbst, wie Grundeinkommen dein Leben verändert!
Du willst noch mehr über Yekmal e.V. erfahren? Dann schau unbedingt unsere Verlosung am 13. Mai, in der Taylan mit unseren Kolleg*innen Jannes und Klara über die Arbeit von Yekmal spricht. Und: Wir verlosen natürlich wieder 25 Grundeinkommen.
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